Kolumne

Seit Oktober 2019 schreibe ich in der Perger Tips im zwei-wöchigen Rhythmus eine Kolumne über Erziehungstipps. Die aktuellsten Artikel finden Sie unterhalb und alle bisher erschienen Artikel im Archiv.

  • Einkaufen mit einem Kleinkind
    Die Vereinbarkeit von Kindererziehung und die Erfüllung von alltäglichen Verpflichtungen kann durchaus seine Tücken haben. Das zeigt sich besonders häufig beim Einkauf von Lebensmitteln in Begleitung eines Kleinkindes. Schnell verlieren unsere Sprösslinge die Lust daran, beziehungsweise fordern uns mit besonderen Wünschen oder Verhaltensweisen heraus. Das Spannende daran ist, dass sich nie vorher sagen lässt, wie der Einkauf mit dem Kind sein wird, denn es hängt natürlich viel von der Tagesverfassung und der aktuellen Stimmungslage des Kindes ab, inwiefern es sich kooperativ und einsichtig zeigt. Jedoch gibt es ein paar Tipps, welche den Einkauf mit dem Kleinkind erleichtern können: Tipp 1 ist es bei besonders jungen Kindern den „idealen“ Zeitpunkt zu erwischen. Ideal bedeutet, dass das Kind nicht hungrig oder müde ist. Ist diesen Bedürfnissen gerecht geworden, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer Kooperation des Kindes. Tipp 2: Das Kind auf den Einkauf vorbereiten. Das bedeutet dem Kind erklären, dass wir jetzt für ein bestimmtes Gericht, bestimmte Dinge einkaufen und dem Kind beispielsweise vorschlagen: „Du darfst dir eine Obstsorte oder Jogurt, o.ä. aussuchen. Alles andere lassen wir im Regal liegen.“ Hier ist es wichtig auf die Kommunikation zu achten. Diese sollte positiv formuliert sein und das Wort „nicht“ sollte vermieden werden. („Du darfst dir eine Obstsorte aussuchen ist besser, als du bekommst heute keine Süßigkeiten!“) Der nächste Tipp bezieht sich auf das Miteinbinden des Kindes beim Einkauf. Je aktiver sich das Kind dabei beteiligen darf, umso besser ist es abgelenkt von dem Überangebot beziehungsweise von der Langeweile, die durchaus beim Einkaufen auftauchen kann. Kleine Aufgaben können helfen das Kind zu beschäftigen, wie zum Beispiel: „Bitte bring mir die Bananen. Du darfst die Käsesorte auswählen.“ etc.) Vertrauensvorschüsse können hier weiters sehr hilfreich sein. Das heißt dem Kind die Gelegenheit zu geben sich zu beweisen, stärkt das Kind beziehungsweise motiviert es auch sich an gewisse Vorgaben zu halten.
  • Generation überbehütet
    Kinder sind uns wichtig. Wir Eltern möchten die Erziehung der Kinder auch gut machen. Diese Motivation und der Wille etwas gut zu machen sind erstrebenswert. Manchmal kann jedoch auch etwas „zu gut gemacht werden wollen“ bzw. was bedeutet gut erziehen überhaupt? Unter „zu gut“ erziehen, meine ich ein zu gut gemeintes Erziehen. Eine Erziehung, die vor lauter Liebe und Selbstaufopferung, keine Fehler erlaubt. Muss ich als Eltern perfekt sein?  Meine Antwort dazu lautet, ganz klar: „Nein“. Bitte strebt vieles an, jedoch keine Perfektion in der Erziehung! Unter dieser Perfektion verstehe ich auch ein nicht Loslassen können. Unsere Kinder entwickeln sich so rasend schnell. Da fällt es uns Eltern oft schwer mithalten zu können. Und plötzlich steht eine junge Dame oder ein junger Herr vor dir, welche/r ihre/ seine eigenen Ideen verwirklichen möchte. Welche/r eine eigene Sprache entwickelt, welche/r auf Vertrauen setzen möchte und nicht auf permanente Kontrolle. Dies bedeutet für uns Eltern, dass es einen Zeitpunkt gibt, an dem wir nicht mehr jeden Schritt unseres Kindes kontrollieren können und jedes Wort auf die Waagschale legen können. Ab ca. 12 Jahren läuft die Erziehung aus und entwickelt sich immer mehr zu Beziehung. Diese will gepflegt werden. Kinder wollen authentische Eltern, mit denen sie auf Augenhöhe kommunizieren können und nicht Eltern, die ihnen die heile Welt vorspielen und die Jugendlichen dann bitter enttäuscht sind, wenn sie draufkommen, dass es diese heile Welt nicht immer gibt. Das Loslassen der Kinder stellt uns vor großen Herausforderungen, jedoch bin ich der Überzeugung, dass ein Kind, welches zu einer gewissen Selbstständigkeit erzogen worden ist, sehr viele Vorteile hat. Überbehütung und ein „nicht zu trauen“ schwächt die Kinder. Zutrauen, vertrauen und echte Gespräche stärken Kinder in ihrer Resilienz für jetzt und das spätere Leben!
  • Immer bestimmst du!
    Eine Teilnehmerin bei meinem Elterntraining erzählte, dass ihr Sohn sehr oft auf den Versuch ihm Grenzen zu setzen, mit dem Satz: „Immer bestimmst du!“ reagiert. „Toller Sohn!“, dachte ich mir. Er gibt der Mutter Feedback und versucht so sein Bedürfnis auszudrücken. Einen Wunsch nach mehr Selbstbestimmtheit. Es ist die Aufgabe von uns Eltern dieses Feedback der Kinder anzunehmen, zu reflektieren und zu reagieren. Nur so lernen die Kinder auch selber mit Feedback konstruktiv umzugehen. Wir sind bis zu einem gewissen Alter, Vorbilder der Kinder, sie schauen sich unsere Reaktion ab.  Wie kann ich nun auf dieses Feedback reagieren? Idealweise, in dem ich meinen Erziehungsstil reflektiere. Hat mein Kind Recht? Bestimme wirklich nur ich? Wieviel Freiheit und Mitsprache hat mein Kind? Es ist wichtig, dass die drei Faktoren Freiheit, Mitsprache und Grenzen in der Erziehung vorkommen. Jedes Elternteil hat seinen bevorzugten Faktor, und genau deshalb ist es wichtig hin und wieder sich Gedanken zu machen, wie die Mischung dieser drei Faktoren aussieht. Uns muss bewusst sein, dass ein Faktor allein zu wenig ist. Des Weiteren lohnt es sich zu wissen, wenn die Kinder auch einmal selbstbestimmen und mitsprechen dürfen, das Grenzen setzen umso besser funktioniert. Fühlt sich das Kind verstanden und ernst genommen, nimmt es auch uns ernst. Beziehungspflege könnte es auch genannt werden. Je besser sich das Kind verstanden fühlt, umso mehr ist es bereit auch auf meine elterlichen Vorgaben und Wünsche einzugehen.

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