Kolumne

Seit Oktober 2019 schreibe ich in der Perger Tips im zwei-wöchigen Rhythmus eine Kolumne über Erziehungstipps. Die aktuellsten Artikel finden Sie unterhalb und alle bisher erschienen Artikel im Archiv.

  • Darum ist die Trotzphase eines Kindes so wichtig
    Ein Kind zwischen eineinhalb bis zirka vier Jahren ist meistens in der Trotzphase, auch Autonomiephase genannt. Es löst sich aus der Symbiose mit der Mutter, die vorher als Einheit empfunden wurde. Das heißt, das Kind kann zwischen Mutter und sich selbst nicht unterscheiden. Löst sich diese Einheit in ein Ich und Du auf, dann spricht man vom Beginn dieser Phase. Das passiert meist, wenn sich das Kind das erste Mal im Spiegel erkennt oder das Wort ICH bzw. den eigenen Namen verwendet. Diese Loslösung ist für die psychische Gesundheit des Kindes wichtig. Der Entwicklungsschritt Trennung von der Einheit zum Autonomieverhalten beinhaltet meist auch eine Krise. Diese kann in dem Alter oft sehr heftig erlebt werden, indem das Kind seine Emotionen zum Beispiel sehr intensiv ausdrückt. Das ist ein vollkommen gesundes Verhalten eines Kindes. In dieser Altersgruppe ist die Aufgabe des Erwachsenen das Kind emotional zu begleiten. Einerseits wenn das Kind wütend ist, dem Kind Worte zu geben, die das Kind verwenden kann, beziehungsweise ein verantwortliches Einschreiten in gewissen Situationen, wenn die Verhaltensweisen in eine Körperlichkeit abdriften. Andererseits ist aber auch ein Verständnis dafür zu entwickeln, dass das Kind die Grenzen des Austestens nicht absichtlich, im Sinne: „Ich will dir jetzt etwas Böses tun.“, sondern aus einer natürlichen Entwicklung heraus vollzieht. Wichtig ist auch zu wissen, dass genau in dieser Phase das Kind lernt, sich an gewisse Regeln zu halten und auch lernt mit Emotionen umzugehen. Die Autonomiephase kann sehr anstrengend für Eltern sein und darum ist es von Vorteil, dass Eltern gut auf ihre Ressourcen achten und sich auch bewusst machen, dass diese Zeit vorbei gehen wird. Alles, was ich an Erziehungsmotivation in diese Zeit investiere, kommt mir im nächsten Entwicklungsschritt zugute.
  • Ich erkenne mein Kind nicht wieder
    Bei einem Elternbildungsseminar zählte eine Mutter einer achtjährigen Tochter, dass sie ihr Kind nicht wiedererkennt. Das Mädchen war immer lieb, nett, hilfsbereit und kooperativ.  Wie über Nacht verhielt sie sich aufmüpfig. Sie folgt nicht mehr, sie testet Grenzen aus, sie zeigt Verhaltensauffälligkeiten in der Schule und auch alle anderen Familienmitglieder bekommen ihre Launen zu spüren. Die Mutter fragte mich wie sie adäquat auf dieses Verhalten reagieren soll, denn sie kann doch dieses aufmüpfige Verhalten nicht durchgehen lassen. Ich stimmte ihr zu, dass Kinder Grenzen brauchen, jedoch zuvor muss ich hinter dieses Verhalten blicken. Was motiviert mein Kind sich so zu verhalten? Dabei gibt es verschiedene Zugänge. Erstens einmal ist Wissen Macht. In diesem Sinne Erleichterung. Der Hormoneinschuss der Kinder beispielsweise, erfolgt heute viel früher als vor 30 Jahren. Das heißt die Hormone in der Vorpubertät, können bereits mit 8 – 9 Jahren einschießen. Diese hormonelle Umstellung kann sich durchaus auf die Laune und auf das Verhalten des Kindes auswirken. Sehr oft spüren die Kinder, dass in ihrem innen sich etwas verändert und fühlen sich dadurch unwohl oder gereizt. Dies kann sich dann in einem aufmüpfigen Verhalten, aber auch in einer tiefen Traurigkeit äußern. Als ersten Erziehungsschritt lohnt es sich auf das Kind einzugehen. Durch aktives Zuhören, wie zum Beispiel: „Hilf mir, dass ich dein Verhalten verstehen kann!“ „Erkläre es mir bitte!“ kann ich das Kind motivieren mir mehr zu erzählen. Hierbei ist es wichtig den erhobenen Zeigefinger und auch mahnen und drohen zu unterlassen. Das Gespräch mit dem Kind soll möglichst wertfrei begleitet werden. Erst in zweiter Instanz würde ich mit Konsequenzen arbeiten, welche in direktem Zusammenhang mit dem Fehlverhalten stehen sollten.
  • Weshalb Kinder Grenzen brauchen
    Freiheit, im Sinne, dass die Kinder selbst bestimmen können, ist eine wichtige Erziehungshaltung für die psychisch gesunde Entwicklung eines Kindes. Jedoch kann zu viel Freiheit die Kinder überfordern. Diese Überforderung kann sich auf unterschiedlichste Art und Weise zeigen. Beispielsweise als ein heftiges Weinen, Unzufriedenheit, Empathielosigkeit, etc. Wenn Eltern Kindern Grenzen setzen, ist damit nicht ein blindes Gehorchen gemeint, sondern ein gewisser Rahmen, der vor allem Schutz bietet. Besonders junge Kinder können über die Tragweite ihres Handelns noch nicht ausreichend reflektieren. Ihnen fällt es schwer sich in die Zukunft zu versetzen. Deshalb braucht es eine gewisse Erziehungsverantwortung von den Eltern, die einen Rahmen stecken, der einerseits nicht so eng ist, aber andererseits nicht zu weit ist. Dies kann schon im ganz Kleinen beginnen. Eine Mutter erzählte mir einmal, dass es in der Früh jeden Tag sehr viele Tränen bei ihrem Kind gibt. Täglich steht zur Diskussion mit welchem Fahrzeug die beiden in den Kindergarten gelangen könnten.  „Wir könnten mit dem Fahrrad fahren, mit dem Roller, mit dem Laufrad, mit dem Auto, zu Fuß gehen.“ Jedes Mal kann sich das Kind nicht entscheiden bzw. widerruft es seine Entscheidung schnell wieder. In diesem Fall liegt zu viel Freiheit vor. Zu viele Entscheidungsmöglichkeiten kann Kinder überfordern. Je jünger das Kind ist, umso klarer muss der Rahmen definiert werden. In dem oben genannten Beispiel, würden zwei Wahlmöglichkeiten vollkommen ausreichen. Somit ist  das Kind auch sicherer in seiner Entscheidung und wird weniger oft wechseln. Zusammengefasst kann man sagen: Freiheit ja unbedingt im Erziehungsverhalten miteinbeziehen, jedoch auch Grenzen, die dem Kind Orientierung sowie Sicherheit bieten und die liebevoll umgesetzt werden.

Beitragsarchiv